Wir gestalten mit Karten. Ein Bestand, viele Oberflächen: Bildschirm, Druck, Raum. Diese Seite zeigt unsere Designsprache, indem sie sie anwendet.

Map · Grid · Folder · Digital / Print

Hybride Systeme

Kartographie als Designsprache

Fachbereich Gestaltung · Hybrid Systems Lab · FHV

Designsprache v0.2 · 2026Scroll down¬
01

Warum Karten

(Konzept)

Die Karte ist unser Werkzeug zum Archivieren, Denken und Kommunizieren. Karten sind keine neutralen Abbildungen, sondern umkämpfte Apparate: Wer kartiert, entscheidet, was sichtbar, sagbar und vorstellbar ist. Deshalb kartieren wir gegen den Strich – mit Studierenden, zu Fuß, mit Fundstücken, Tönen und Stimmungen.

Das Archiv dahinter ist lebendig: Es bewahrt nur, was es ständig neu liest, bestreitet und ergänzt. Lücken sind Aussagen. Jeder Fund trägt Ort, Zeit, Nummer und die Person, die ihn gesammelt hat.

(Technische Bilder)

Vilém Flusser hat Bilder als „bedeutende Flächen“ gefasst, als Vermittlungen zwischen Welt und Mensch, die „Landkarten sein [sollen] und zu Wandschirmen [werden]: Statt die Welt vorzustellen, verstellen sie sie“ (Flusser 1983, S. 8). Das von Apparaten erzeugte technische Bild verschärft diese Verkehrung: Es bedeutet Begriffe, nicht Phänomene, und sein „scheinbar unsymbolische[r], objektive[r] Charakter“ verleitet dazu, es „nicht als Bilder, sondern als Fenster anzusehen“ (ebd., S. 13 f.).

Unter den Bedingungen generativer Bildverfahren wird Flussers Forderung, technische Bilder zu entziffern, zur gestalterischen Aufgabe: Ein technisches Bild war nie ein Abbild der Wirklichkeit, sondern eine Karte, die es zu dekodieren gilt. Design, das mit algorithmischen Werkzeugen arbeitet, hat Technologien so mitzugestalten, dass Zivilgesellschaft und Institutionen Bilder, Artefakte und Kommunikation anhand wissenschaftlicher Daten verorten, erfahren, entschlüsseln und mitgestalten können – öffentlich, transparent geführt, faktenbasiert und multiperspektivisch. Die Karte ist dafür das Modell: Sie legt ihre Codierung offen und lädt zur Mitautorschaft ein, statt als Fenster zu täuschen.

(Vier Begriffe)

  1. (1) Countermapping — Karten als Praxis, nicht als Abbild
  2. (2) Lebendiges Archiv — Funktionsgedächtnis statt Speicher
  3. (3) Ambivalenz — Ordnen wollen und wissen, dass Ordnung unvollständig ist
  4. (4) Ortsbezug — N→ / E→ auf jedem Stück
  5. (5) Technische Bilder — codiert, nicht abgebildet; die Mono-Zeile ist die Dekodierhilfe
Dornbirn aus der Luft: Höhenlinien des Bödele-Massivs rot, Rhein und Bodensee türkis, Siedlung weiß

Geo-Archiv Dornbirn
Kursseite /ecodesignlab — 2026 (01)

Raster
2,5 m
Schichten
VOGIS · OSM · Feld
Ort
N→ 47.4049 · E→ 9.7452

(Quellen) (1) Köhl & Altweger, Doubleblind. Sensibilities of Extinction, Expanded 2026. (2) Köhl & Altweger, Hybrid Systems Lab & Toolbox. (3) Flusser, Für eine Philosophie der Fotografie, Göttingen 1983, S. 8, 13–14.

02

Sprache

(Farbe)

Wir bleiben im Corporate Design der FHV: Schwarz und Weiß sind primär, vier Sekundärfarben setzen Akzente. Ein einziges Rot. Höchstens drei Farben pro Fläche. Keine Fachbereichsfarbe – unser Unterschied ist ein Register, kein Farbton.

Primär
#000000 · #FFFFFF
Akzent
Sunrise Red #ED6E4C
Sekundär
#FFDC5F · #9ACFF1 · #C0A1CC
Black
0/0/0/100
White
0/0/0/0
Sunrise Red
0/68/70/0
Zine Yellow
0/8/76/0
Sky Blue
45/5/0/0
Periwinkle Lilac
28/42/0/0
Akzent
Strip · N→ E→
Fuß · Nr. 0001

(Drei Flächen)

Jede Fläche ist dreigeteilt – Akzent, Grau oder Weiß, Bild oder Schwarz – und die Anordnung bleibt beweglich. Die Karte: Farbblock, Strip, Medium. Das Plakat: Karte, Farbfeld, schwarze Fußleiste. Das Programm 2026: Intervention, Investigation, Intention.

(Bildsprache)

Ein Gewebe in einer Farbe, ein Signal darüber: Gebäude, Straßen und Höhenlinien in Schwarz, Weiß und Grau; Route, Fund oder Fläche in einem Rot. Höhenlinien, Seeboden und Schnitte sind Protagonisten, nicht Hintergrund. Fotos und Karten überlagern sich – Feldfotos als Kacheln im Kartenraster, Luftbild mit roter Linie. Der Randapparat bleibt sichtbar: Koordinaten, Maßstab, N→/E→, Legende als Tabelle.

Design Beyond Transformation

(Schrift)

Saol Display nur für Titel, in Versalien, Zeilenabstand 92 %, Laufweite −4,5 %. Aeonik Pro, die Hausschrift der FHV, trägt alle Information. Eine Mono trägt die Daten: Credits, Koordinaten, Zeiten, Nummern, Codes.

Titel
Saol Display 400
Text
Aeonik Pro 400/500
Daten
Aeonik Mono
Skala
240 / 72 / 32 / 16 + 11

GESAMMELT VON alda · 2026-10-14 08:01
N→ 47.40490 · E→ 9.74520 · Nr. 0001
(T) Talk · (WS) Workshop · (D) Discussion · (X) Experience
ARCHIV · 1 / 3 FELD

(Register) Archiv: schwarzes Papier, Mono-Daten, Raster. Event: helle und farbige Flächen, Saol-Titel, schwarze Fußleiste mit Wort-Bild-Marke. Der Schalter „Register“ oben zeigt beide.

03

Raster

(Eine Familie)

Eine Familie gekaufter, dokumentierter Rastersysteme trägt jedes Format – Bildschirm, Slides, Plakat, Faltkarte. Spalten, Felder und Grundlinie dürfen sichtbar sein: Das Raster ist das Gerüst des Archivs, nicht sein Geheimnis. Auf dieser Seite: Taste g oder der Schalter „Raster“.

Web
12 / 8 / 4 Spalten
Rand · Steg
40 · 20 px
Grundeinheit
20 px
Portrait 9:16720 × 1280 pt · 4 Spalten · 6 FelderGrundlinie 15 ptArchivkarten, Phone, Social
Landscape 16:91280 × 720 pt · 4 SpaltenGrundlinie 15 ptSlides, Screens, Web-Hero
A3 · A2 · A16 · 6 · 12 SpaltenGrundlinie 11 · 11,5 · 11,5 ptPlakat, Programm, Litfass
Panel140 × 297 mm · 4 Spalten= A3 / 3 = A1 6 × 2Faltkarte: Feld · Info · Labor
Karte2,5 m Zellen · 9 × 16 pro KartemetrischKursseiten, AR
04

Werkzeuge

(Ein Token-Satz)

Alle Vorlagen leiten sich aus einer Datei ab: Farben, Schrift, Raster, Register. Was sich nicht aus den Tokens ableiten lässt, ist nicht Teil des Systems. Die Vorlagen sind Werkzeuge, keine fertigen Bilder – Text bleibt lebendig, Daten bleiben verknüpft.

(Anwendung, kurz) (1) Tokens und ASE laden. (2) Format wählen, Raster einblenden. (3) Inhalte auf die Spalten setzen, Fußleiste auf dem Raster. (4) Saol nur im Titel, Mono nur für Daten. (5) Mit und ohne Raster exportieren.

(01)

Tokens & Raster

tokens.css / grid.css: Farben (CD-Werte), Schriftstapel, Typo-Skala, Rasterfamilie in mm, Register. Erste Datei in jedem neuen Format.

(02)

Archivkarte

Das Bildschirmformat: 9:16 auf dem Portrait-Raster, Seiten Feld · Info · Labor, Akzent pro Person. Lebt auf den Kursseiten der Kartenplattform.

(03)

Faltkarte

Der Druck-Zwilling der Karte: ein Marker als A3 mit drei Panels 140 × 297 mm aus denselben Daten und Tokens. Werkzeug: foldout.mjs (Marker → PDF).

(04)

Sujet & Plakat

Drei Kompositionen auf dem A2-Raster: Karte · Farbfeld · Fußleiste; Gelbband; drei Phasenfelder. Kartenausschnitt als eine der drei Flächen, Saol-Titel in Versalien.

(05)

Programm

Zeitleiste A4 mit Phasen in den CD-Farben, Session-Codes (T) (WS) (D) (X), Fußleiste auf dem Raster. Aus einer Tabelle gefüllt.

(06)

Vorlagenpaket

Alle Kommunikationsvorlagen in einem Download: Bildschirm (Slides 16:9, Screens 1920 × 1080), Mobil (Story 9:16, Post 1:1), Druck (A4 Dokument, A4 Programm, A3 und A2 Plakat, Faltkarte) – HTML auf Tokens und Raster, plus Farbfelder, Schriften und README.

(07)

Identity Sheet & Manifest

Eine Seite Regeln (A3) und zwölf Sätze (A4) – beide auf dem Raster gesetzt, mit und ohne Hilfslinien.

05

Marker & Faltkarte

(Der Marker)

Jeder Fund auf der Karte ist ein Marker: ein Ort, eine Person, ein Zeitpunkt, ein Medium. Daraus entsteht eine Archivkarte im Format 9:16 mit drei Seiten – Feld, Info, Labor. Feld ist der Fund selbst: Foto, Tonaufnahme, Gedanke, Stimmung. Info ist der Kontext: Beschreibung, Tags, Arten in der Nähe, Vogelstimmen, Links. Labor ist, was danach kommt: Makroaufnahmen, Scans, Gaussian Splats, Dateien.

(Das Werkzeug)

Dieselben Daten werden zur Faltkarte: ein Marker, drei Panels zu 140 × 297 mm, auf A3 gedruckt und gefaltet. Das Werkzeug liest den Marker, holt den Kartenausschnitt und setzt alles auf das Raster – mit denselben Tokens wie am Bildschirm. Nichts wird neu gestaltet, nur anders ausgegeben.

  1. (Schritt 1) Marker wählen — Nr., Person, Datum, N→ / E→
  2. (Schritt 2) Kartenausschnitt um den Marker, Maßstab aus dem Zoom
  3. (Schritt 3) Feld · Info · Labor auf drei Panels setzen
  4. (Schritt 4) PDF mit und ohne Rasterebene exportieren
Faltkarte A3: drei Panels Feld, Info, Labor eines Archiv-Markers

Faltkarte Nr. 0001 — Wilder Wein
foldout.mjs — 2026 (01)

Format
A3 quer · 3 × 140 × 297 mm
Raster
Portrait-Raster × 0,55
Quelle
Marker-JSON + Kartenausschnitt
Ausgabe
PDF · PNG · HTML

(Datenmodell) Pflicht: Marker-ID, Person, Zeit, Koordinaten, Klasse. Optional: Specimen, Beschreibung, Tags, Anhänge (Bild, Audio, Splat, Modell, Link), BirdNET, Höhe. Fehlt etwas, bleibt die Stelle offen – als Aussage.

Beispiel-PDF ¬   Werkzeug ¬   Karte ¬

Sujet-Vorschlag C: Karte von Dornbirn mit Titel, darunter drei Phasenfelder in Gelb, Blau, Lila

Vom Marker zum Plakat
Sujet C — Hybrid Futures 2026 (02)

(Notizen) (1) Der Kartenausschnitt ist eine der drei Flächen. (2) Der Titel in Saol, Versalien. (3) Die Fußleiste sitzt auf dem Raster. (4) Dieselbe Logik trägt die Archivkarte, die Faltkarte und das Plakat.

Zwölf Sätze · Map · Grid · Folder

Manifest

Kapitel 06Scroll down¬
06

Zwölf Sätze

(Warum und wie)

Aus den Schlüsseltexten des Labs (Köhl & Altweger), Vilém Flussers technischen Bildern und dem Corporate Design der FHV.

01

Die Karte ist das Argument.

Wir gestalten nicht über unsere Arbeit, wir zeigen sie. Jedes Stück trägt einen echten Ausschnitt eines echten Bestands – Orte, Trails, Schichten, Funde, mit Koordinaten, Nummer und Datum. Karten sind umkämpfte Apparate; wir zeigen sie offen, mit Raster und Lücken, nie als Dekor.

02

Ein technisches Bild ist eine Karte.

Bilder „sollen Landkarten sein und werden zu Wandschirmen“ (Flusser 1983, S. 8); das technische Bild bedeutet Begriffe, nicht Phänomene, und wird doch „als Fenster“ angesehen (ebd., S. 14). Unter den Bedingungen generativer Bildverfahren wird das Entziffern zur gestalterischen Aufgabe: Technologien so mitzugestalten, dass Zivilgesellschaft und Institutionen Bilder anhand wissenschaftlicher Daten verorten, entschlüsseln und mitgestalten können – öffentlich, transparent, faktenbasiert, multiperspektivisch. Deshalb legt jedes unserer Bilder seine Codierung offen.

03

Ein Bestand, viele Oberflächen.

Bildschirm, Druck, Raum und XR sind Ausgaben desselben Archivs. Die Archivkarte ist das Bildschirmformat, die Faltkarte das Druckformat, das Plakat die Vergrößerung, der Schaukasten die Vitrine. Ein Token-Satz erzeugt alle.

04

Das Raster ist sichtbar.

Eine Familie dokumentierter Rastersysteme mit gemeinsamer Grundlinienlogik. Spalten, Felder und Grundlinie dürfen zu sehen sein – das Raster ist das Gerüst des Archivs, nicht sein Geheimnis. Auf der Karte heißt es 2,5 Meter.

05

Innerhalb des FHV-Designs, mit eigenem Register.

Schwarz und Weiß primär, vier Akzente, ein Rot, keine Fachbereichsfarbe. Unsere Unterscheidung ist ein Register: schwarzes Papier, Daten in Mono, Koordinatenzeilen, Nummern. Archiv-Register und Event-Register sind zwei Tonlagen eines Systems.

06

Drei Flächen.

Jede Fläche ist dreigeteilt – Akzent, Grau/Weiß, Bild oder Schwarz – und die Anordnung bleibt beweglich. Die Dreiteilung trägt auch Inhalte: 2026 sind es die Phasen Intervention · Investigation · Intention.

07

Lebendig, nicht fertig.

Ein lebendiges Archiv bewahrt nur, was es ständig neu liest und bestreitet. Unsere Layouts zeigen Prozess: Seitenstapel, Nummerierung, Datumszeilen, offene Felder. Eine Lücke ist eine Aussage, kein Fehler. Nichts wird plattgerendert.

08

Ambivalenz als Komposition.

Wir halten zwei Wünsche gleichzeitig aus: Leben durch Daten zu ordnen – und zu wissen, dass jede Ordnung unvollständig ist. Das Daten-Register steht neben dem gelebten Register: Feldfoto, Tonaufnahme, Handnotiz, Splat. Keine Farbe markiert Wichtigkeit.

09

Ortsbezug und Mitautorenschaft.

Jedes Stück ist an einen Ort gebunden (N→ / E→). Wer gesammelt hat, steht auf der Karte. Autorität entsteht aus nachvollziehbarem Prozess: Quelle, Datensatz, Datum, Methode in einer Mono-Zeile, immer.

10

Mehr-als-menschliche Gegenwart.

Arten, Biotope, Wasser, Seeboden sind Inhalt, nicht Hintergrund: Bathymetrie und Tiefenlinien, BirdNET-Detektionen, iNaturalist-Nachbarn werden typografische Elemente. 2026 zeigen wir die Schönheit der Karten selbst.

11

Zwei Schriften, eine Stimme.

Aeonik Pro für alle Information, eine Mono für Daten, Saol Display nur für Titel. Deutsch und Englisch nebeneinander. Spekulativ, sorgfältig, präzise – ohne Superlative.

12

Werkzeuge statt Vorlagen.

Das Ziel ist kein Satz hübscher Dateien, sondern ein kohärentes Werkzeugset: Tokens, Raster, Karten-Export, Faltkarten-Export, Programm-Zeitleiste, Sujet-Logik – nutzbar für Digital, Print, Raum und Erzählung. Was einmal richtig gebaut ist, wird wiederverwendet.

Die Karte ist das Argument.
(und das Raster ihr Gerüst)

Hybride Systeme — Kartographie als Designsprache · v0.2 · 2026-10-21Fachbereich Gestaltung · Hybrid Systems Lab · FHV